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Eine persönliche Botschaft von Kilian Kissling

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Wie geht es Ihnen?

Ich hoffe zunächst einmal, dass Sie gesund sind!

Immer mehr Menschen erkranken in diesen Tagen in Deutschland an Covid-19. Bei vielen verläuft die Krankheit glücklicherweise harmlos und unterscheidet sich kaum von anderen viralen Infekten. Doch leider gibt es auch viel zu viele Menschen, für die die Ansteckung schwerer wiegende Folgen hat und lebensbedrohlich ist.

Die inzwischen ergriffenen Maßnahmen stellen für unsere Branche, für die meisten Betriebe in unserem Verband, eine existenzbedrohende Belastungsprobe dar. Eine Messe, auf die wir hingefiebert haben, große Veranstaltungen und viele kleine, erfunden, geplant, aufwändig vorbereitet, vorverkauft, mussten abgesagt werden. Wir wollten Büchern Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit bringen, vergebens.

Doch das war erst der Anfang, der härteste Einschnitt stand uns noch bevor: die Schließung der Buchhandlungen, die in unserem Verband das Land Brandenburg, aber (noch) nicht die Berliner Buchhandlungen betrifft. 

Schließungen, so sehr sie auch vor dem Hintergrund der Bedrohung der Gesundheit so vieler Menschen unausweichlich waren, bedeuten einen Einschnitt für unsere Branche, der in seiner Radikalität die Krisenthemen der Vorjahre, etwa das VG-Wort-Urteil oder die KNV-Insolvenz, in den Schatten stellt. Die Schließungen der Buchhandlungen betreffen die Branche in allen Bereichen. Sie betreffen nicht nur die Sortimente selbst, sondern die Verlage gleichermaßen.

Die Maßnahmen insgesamt betreffen aber auch den Zwischenhandel, Auslieferungen, Druckereien, Veranstalter, die Autorinnen und Autoren, freie Lektorinnen und Lektoren, Grafikerinnen und Illustratoren, Dienstleister. Sie machen keinen Unterschied zwischen kleinen und großen, zwischen Konzernen und Selbstständigen. Sie gefährden mit jedem Tag neue Projekte, neue Bücher. Sie gefährden Arbeitsplätze und Existenzen. Um ein drastisches Bild zu verwenden: unsere Branche befindet sich gerade selbst auf dem Weg in die Intensivstation. Unsere Branche braucht Hilfe.

Natürlich geht es nicht nur uns so. Nahezu alle anderen Branchen sind auch betroffen. Es gibt kaum Gewinner. Und so ist auch die wirtschaftliche Existenz vieler Leserinnen und Leser betroffen, denen wir auch in einer hoffentlich nicht allzu fernen Zukunft wieder viel mehr Bücher verkaufen möchten, als es jetzt gerade möglich ist.

Ein in diesen Zeiten häufig strapazierter Begriff ist der der Solidarität. Sortimente bitten Verlage um Zahlungsaufschub, Autorinnen bitten Verlage um vorgezogene Ausschüttungen, Verlage bitten ihre Druckereien und Auslieferungen um Stundung von Zahlungen. Und viele Betriebe verlangen nun auch von ihren motivierten und loyalen Angestellten Zugeständnisse und Opfer. Es ist eine kritische Stimmung, die zu Enttäuschungen und neuen Gräben führen kann. Vor diesem Hintergrund bitte ich Sie: Haben Sie auch in dieser schwierigen Lage Verständnis für Ihre Partner, Ihre Kunden, Lieferanten und Angestellten. Ich verstehe, dass Sie für jede solidarische Handlung dankbar sind. Doch überlegen Sie auch, ob Sie selbst solidarisch handeln können und ob Sie selbst Hilfe anbieten können. 

Es muss uns gelingen, unter uns ein Klima zu erhalten, das von Verständnis und Vertrauen untereinander geprägt ist. Ich bin mir ganz sicher, dass solidarische Reflexe in unserer Branche und unter unseren Mitgliedern weit verbreitet sind.

Es gibt überhaupt keinen Zweifel, dass unsere Branche Hilfe braucht. Eine für unser Land spezifische Errungenschaft ist die Möglichkeit der Kurzarbeit. Ein erprobtes Mittel, das schon in der Vergangenheit vielfach unter Beweis gestellt hat, dass es geeignet ist, Arbeitsplätze in schwierigen, zumal unverschuldet schwierigen Phasen zu erhalten. Die Regularien sind in dieser Krise deutlich vereinfacht worden. Unser Verband hält Sie hier von Beginn an auf dem Laufenden und stellt die erforderlichen Links und Informationen bereit.

Unser Verband bündelt in dieser Krise die Interessen und trägt sie in Bund und Ländern der Politik vor, so dass für unsere Bedürfnisse passende Hilfen entwickelt werden: Kredite, Zuschüsse und auch rechtliche Rahmenbedingungen, wie etwa die Stärkung gewerblicher Mieter. Der Rettungsschirm für die Kreativwirtschaft darf in diesem Zusammenhang als erster Durchbruch gesehen werden. Unser Verband wird für Sie auf Bundes- und Landesebene in den kommenden Wochen jederzeit eine Anlaufstelle für Informationen und Hilfestellungen sein. Und selbstverständlich werden wir für unsere Mitglieder in Berlin und Brandenburg leicht zugängliche Beratungsangebote entwickeln.

In den kommenden Tagen werden wir mit Ihnen das Gespräch suchen. Wir möchten Ihnen zeigen, dass Sie nicht alleine kämpfen. Wir möchten Ihre Situation kennen und haben ein offenes Ohr, damit wir wissen, welche Maßnahmen Sie jetzt wirklich brauchen. Und zunehmend können wir Ihnen auch konkrete Hinweise geben, welche Möglichkeiten Ihnen schon jetzt zur Verfügung stehen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, unsere Branche ist nach den Herausforderungen der Vorjahre gut “durchimmunisiert”. Ich bin davon überzeugt, dass wir gemeinsam auch diese Herausforderung bestehen. Viele Menschen werden sich bald an der Monokultur der digitalen Angebote für eine Weile sattgesehen haben, sie werden es genießen, sich wieder an Orte zu begeben, an denen andere Ihnen zuhören und etwas zu lesen empfehlen können. Sie werden neugierig sein auf neue Gedanken, sicher bald auch Romane oder Sachbücher, die die Erfahrungen der letzten Monate aufarbeiten und reflektieren. Oder sie haben einfach mal wieder das Bedürfnis, auf völlig andere Gedanken zu kommen. Buchhandlungen und Bücher werden auf viele dieser Bedürfnisse zu den überzeugendsten Antworten gehören.

Unser Anspruch als Verband ist es, dass auch Sie im Rückblick mit dem Gefühl aus der Krise gehen werden, dass Sie Mitglied in einem Verband sind, der Ihnen in einer schwierigen Zeit zur Seite steht.

Ich freue mich darauf, wenn wir uns wiedersehen! Bei unseren Veranstaltungen, in Ihren Buchhandlungen, auf der nächsten Messe.

Ich grüße Sie ganz herzlich im Namen unseres gesamten Vorstands und im Namen unserer Geschäftsstelle.

Ihr

Kilian Kissling

Argon Verlag

1. Vorsitzender des Börsenvereins Landesverband Berlin-Brandenburg e.V.